
„Ich wollte das nie so machen …“
Man hört sich plötzlich selbst schreien und erschrickt schon fast vor der eigenen Stimme. Es ist nicht dieses kontrollierte Lautwerden, sondern dieser scharfe, unfaire Tonfall, den man sich eigentlich fest vorgenommen hatte, niemals zu benutzen.
„So wollte ich nie mit meinem Kind sprechen.“
„Ich hab doch geschworen, ich mach das anders …“
Wenn du das kennst, lass dir bitte eins gesagt sein: Das ist absolut kein Zeichen dafür, dass du als Mutter versagt hast oder „falsch“ bist. Es ist meistens schlichtweg das Signal eines Systems, das auf Reserve läuft
Vielleicht denkst du manchmal:
„Alle anderen kriegen das doch auch irgendwie hin. Warum explodiere ich dann so oft?“
Aber weißt du was? Viele denken das. Viele fühlen das. Nur spricht kaum jemand ehrlich darüber.
Warum du schimpfst, obwohl du das gar nicht willst
Schimpfen kommt selten daher, dass man Macht zeigen will.
Es kommt aus einem überladenen Nervensystem, das Alarm schlägt.
1. Dein Stresspegel ist chronisch erhöht
Wenn du stundenlang für andere mitdenkst, versuchst, Ordnung ins Chaos zu bringen und permanent auf Habacht-Modus bist,
brauchst du keinen Weltuntergang, ein Marmeladenbrot auf dem Sofa reicht.
Vielleicht kennst du das: Man hat den ganzen Tag funktioniert, Termine jongliert und die Wäscheberge ignoriert und dann reicht schon ein umgekipptes Glas Apfelsaft, damit das Fass überläuft. Es geht nicht um den Saft, sondern um die hundert Kleinigkeiten davor, die den Geduldsfaden schon hauchdünn gemacht haben. Ein kleiner Auslöser genügt und du bist laut, obwohl du das eigentlich überhaupt gar nicht willst.
Reflexionsfrage:
Wann in deinem Alltag hast du das letzte Mal gedacht: „Ich kann einfach nicht mehr“?
2. Du hast selbst keine anderen Werkzeuge gelernt
Vielleicht war Schreien bei euch früher „normal“.
Oder du hast gelernt, dass Gefühle leise zu sein haben.
Oder aber auch dass Eltern das letzte Wort haben müssen.
Und dann stehst du da und merkst:
„Ich bin die Erste in meiner Familie, die es anders machen will. Aber wie geht das überhaupt?“
Du kämpfst nicht nur mit dem Verhalten deines Kindes –
du kämpfst gegen Prägungen, Automatismen und alte Muster.
Das ist anstrengend.
Aber auch mutig.
3. Du willst nur, dass es endlich läuft
Zähne putzen. Schuhe anziehen. Tisch abräumen.
Du hast keine Lust auf Drama.
Und irgendwann denkt dein System:
„Wenn ich’s lieb sage, passiert nix. Ich muss jetzt laut werden.“
Das ist kein Versagen. Das ist ein Muster.
Eins, das du verstehen und ändern kannst.
Was passiert, wenn Schimpfen zur Norm wird
Ein einzelner Ausraster? Passiert.
Aber wenn du regelmäßig schreist und es zum Alltag wird, passiert etwas im Kopf deines Kindes:
- Das Kind kooperiert dann oft nur noch, um der nächsten Explosion einfach zu entgehen, statt aus echtem Vertrauen. Es lernt im schlimmsten Fall, dass starke Gefühle zu Ablehnung führen und fängt an, sich extrem anzupassen, um uns Eltern zu schützen. Das ist eine Last, die kein Kind tragen sollte.
Und du?
Fühlst dich schuldig
Ziehst dich zurück
Und fragst dich, ob du dein Kind gerade emotional verlierst
Vielleicht liegt dein Kind abends im Bett und du auch.
Und dein Kopf läuft die Szene noch mal ab.
Satz für Satz. Tonfall für Tonfall.
Du spürst die Reue aber auch die Hilflosigkeit.
Und genau da kannst du ansetzen

Die 7 Schritte raus aus dem Schimpf-Modus
(mit ehrlicher Selbstfürsorge – ganz ohne Perfektion)
1. Akzeptiere, dass es passiert ist ohne dich zu verurteilen
„Ich habe heute geschrien.“
„Ich war überfordert.“
„Ich will es anders machen.“
Das ist der Anfang.
Nicht „Ich darf das nie wieder tun“ sondern:
„Ich schaue ehrlich hin.“
Wenn du dir selbst Mitgefühl gibst, schaffst du Raum für Veränderung.
Mini-Reflexion:
Denk an die letzte Situation.
Was hat dich wirklich gestresst? Das Verhalten deines Kindes oder alles davor?
Zusatz-Tipp:
Schreib dir 3 Sätze auf, die du dir in solchen Momenten sagen kannst –
wie ein liebevoller innerer Dialog.
2. Erkenne deine Trigger
Der wichtigste Punkt dabei: Die Auslöser liegen oft gar nicht im Verhalten unserer Kinder, auch wenn es sich im Moment so anfühlt. Wenn man genauer hinschaut, steckt dahinter fast immer das Gefühl, die Kontrolle über die Situation oder aber über die eigenen Bedürfnisse, sich komplett zu verlieren.
Schimpfen ist eine Reaktion auf einen Auslöser.
Dieser kann sein:
Wenn das Kind sich zum zehnten Mal nicht anzieht, triggert das unser Gefühl von Machtlosigkeit. Wenn wir unterbrochen werden, fühlen wir uns nicht respektiert. Eigentlich ist es meistens unser eigenes Bedürfnis nach Ruhe, das mal wieder übergangen wurde.
Hinter jedem Ausbruch steckt ein Gefühl von Kontrollverlust.
Oft verbunden mit alten Sätzen wie:
„Ich werde nicht gehört“
„Ich bin wieder allein mit allem“
„Es interessiert sich eh niemand dafür, wie’s mir geht“
Wenn du diese Sätze erkennst, kannst du ihnen begegnen.
Mini-Übung:
Welche dieser Sätze kennst du aus deinem Inneren?
Notier dir 1–2 und frag dich ehrlich:
„Woher kenne ich das eigentlich? Wer hat mir das beigebracht?“
3. Stoppe dich rechtzeitig mit einem Notfall-Plan
Wenn du merkst: Es kribbelt im Körper. Die Stimme wird fester. Der Puls steigt …
Dann brauchst du kein besseres Verhalten, sondern einen Anker.
Notfallstrategien:
3 bewusste Atemzüge mit geschlossenen Augen
Stuhl kurz verlassen – „Ich brauch 30 Sekunden“
Die Hände spüren – Druck aufbauen und loslassen
Leise in dich sagen:
„Ich darf jetzt ruhig bleiben – für mich.“
Vielleicht ist es der rote Punkt am Kühlschrank oder du trägst ein bestimmtes Armband, das dich daran erinnert: „Ich will heute ruhig bleiben“. Es klingt albern, aber in dem Moment, in dem die Wut hochkocht, brauchen wir genau solche optischen Anker, die uns für eine Sekunde aus dem Tunnel rausholen
Extra-Tipp:
Häng dir an 3 Orten kleine Erinnerungen auf – z. B. am Lichtschalter, am Badezimmerspiegel, am Kinderzimmerregal.
Ein Satz, ein Symbol, ein Herz. Damit du es nicht vergisst, wenn du es am meisten brauchst.
4. Sag etwas anderes – dein persönlicher Notfall-Satz
Statt zu schreien, sag etwas.
Ehrlich. Ungefiltert. Ohne pädagogisches Feingefühl.
Zum Beispiel:
„Ich merke, dass ich grad gleich laut werde.“
„Ich bin überfordert und ich brauch einen Moment.“
„Ich liebe dich, aber mein Kopf ist voll.“
Kinder verstehen nicht jede Formulierung aber sie spüren deine Haltung.
Und sie lernen:
„Man darf Gefühle haben. Und trotzdem respektvoll sein.“
Übung:
Überlege dir 2 eigene Notfall-Sätze, die zu dir passen.
Schreib sie auf. Lies sie laut.
Mach sie zu deinem neuen Muster.
5. Repariere – später, ehrlich und auf Augenhöhe
Nach einem Schimpf-Moment darfst du den Raum wieder verbinden.
Es geht nicht darum, sich vor dem Kind klein zu machen oder tagelang ein schlechtes Gewissen vor sich herzutragen. Es geht um Ehrlichkeit.
Ein kurzes: „Hey, ich war vorhin viel zu laut, das tut mir wirklich leid. Ich war einfach total gestresst, aber du konntest nichts dafür“ reicht oft schon aus, um die Situation zu klären.
Was dein Kind lernt:
Nähe ist auch nach Konflikten möglich
Ich bin liebenswert, auch wenn Mama gestresst ist
Fehler dürfen benannt werden – und dann geht’s weiter
Mini-Impuls:
Was hättest du als Kind gern von deinen Eltern gehört, wenn sie sich im Ton vergriffen haben?
6. Stärke dich jeden Tag ein bisschen
Du kannst nicht ruhig bleiben, wenn du selbst permanent kurz vorm Limit bist.
Selfcare ist nicht Luxus.
Selfcare ist die Grundlage für Bindung.
Und ja: Du darfst das auch, wenn dein Alltag voll ist.
10-Minuten-Selfcare-Ideen:
Kopfhörer auf + Lieblingssong
5 Minuten Balkon mit Tee
Affirmation am Spiegel:
„Ich bin gut genug auch wenn ich grad keine Geduld habe.“
🧡 Tipp:
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7. Bau den Alltag so um, dass du weniger laut werden musst
Reaktion entsteht oft aus Chaos.
Also: Bau dir ein bisschen Struktur – liebevoll, nicht militärisch.
Strukturhilfen:
Feste Routinen: Morgens → Frühstück, Anziehen, Zähne
Visuelle Pläne für Kinder (Piktogramme)
Klare Übergänge: „In 5 Minuten räumen wir auf“
Gemeinsames Planen: „Was brauchst du, um morgen früh schneller fertig zu sein?“
Kinder, die sich beteiligt fühlen, kooperieren öfter – ohne Machtkampf.
Extra-Tipp:
Mach am Sonntag eine 5-Minuten-Wochenvorschau. Was kommt? Was stresst dich jetzt schon? Was kannst du vereinfachen?

Extra-Teil: Was du konkret tun kannst, wenn du wieder schreist
Weil ja, sehr wahrscheinlich wirst du wieder schreien.
Du bist nun mal kein Roboter.
Hier dein Notfall-Protokoll:
Wenn es doch passiert ist, geh kurz in dich:
Erkenne an, dass es nicht okay war, aber entschuldige dich bei deinem Kind, ohne dich dabei selbst fertig zu machen. Ein einfaches „Tut mir leid, ich war überfordert“ reicht vollkommen.
Danach ist wichtig, kurz zu überlegen:
Was hätte mir vorhin geholfen? So planst du unbewusst schon für das nächste Mal.
Kurs-Tipp: Für Eltern, die tiefer einsteigen wollen
Wenn du nicht nur weniger schreien,
sondern wirklich verstehen willst,
wie du emotional starke Verbindung aufbaust,
dann schau dir diesen Kurs an:
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Kindliche Emotionen verstehen
Stressmuster erkennen & verändern
Wut, Tränen & Trotz liebevoll begleiten
FAQ – Kurz & ehrlich
Was, wenn mein Kind trotzdem nicht hört?
Dann bleib ruhig und wiederhole.
Nicht aus Trotz, sondern aus Klarheit.
Was, wenn ich jeden Tag schimpfe?
Dann brauchst du keine Disziplin, sondern echte Unterstützung.
Es beginnt bei dir, nicht beim Kind.
Was, wenn mein Umfeld mich dafür verurteilt?
Dann lies den Satz nochmal:
Es geht um dich und dein Kind. Nicht um andere.
Fazit: Du bist nicht falsch, du darfst es einfach anders machen
Vergiss bitte nicht:
Dein Schimpfen ist ein Stressmuster, kein Charakterfehler. Veränderung braucht Zeit und vor allem Ehrlichkeit dir selbst gegenüber. Dein Kind braucht keine perfekte Mutter, sondern eine, die da ist und auch nach Fehlern den Weg zurück in die Verbindung findet. Fang heute mit einem kleinen Schritt an, denn du bist nicht zu spät dran.
Frage an dich:
In welchen Situationen wirst du besonders laut?
Was hilft dir, runterzukommen?
Schreib’s gern in die Kommentare.
Oder hol dir das Freebie für mehr Struktur & emotionale Klarheit im Alltag 💛
*Ich empfehle dir nur Produkte und Kurse, hinter denen ich wirklich stehe. Einige davon sind sogenannte Affiliate*-Links – wenn du über sie etwas buchst, unterstützt du meine Arbeit. Danke dir von Herzen 💛
ich werde oft Laut und gemein, wenn mich das Verhalten der Kinder in der Öffentlichkeit stört. ich schäme mich wenn sich mein Kind in der Schule unangebracht benimmt. Ich wünsche mir „nette“ Kinder und es ist für mich schwer zu ertragen wenn mein Kind gerade nicht so ist.
Ein anderer Punkt ist die Ordnung im Haushalt. Dinge die immer wieder gesagt werden und doch nie eingehalten werden nerven dann irgendwann einfach zu sehr. außerdem merke ich leider auch dass meine Hormone mich im Griff haben. monatliche Aggressionen und Depressionen gehören leider auch dazu.
Ich danke dir für diese unglaublich mutige Offenheit und versichere dir: Du bist nicht allein!
Was du beschreibst, ist der klassische Kreislauf der Überforderung: Die Scham über das Verhalten der Kinder und der ständige Kampf um Ordnung im Haushalt saugen so viel Energie, dass der emotionale Puffer fehlt. Gerade wenn Hormone uns zusätzlich herausfordern, ist der Schritt zur Aggression extrem kurz.
Dein Schreien ist ein Symptom von Erschöpfung, nicht von bösem Willen.
Genau deshalb habe ich WohlOrganisiert gegründet! Mein Ziel ist es, dir konkrete Werkzeuge zu geben, um aus diesem Kreislauf auszubrechen:
Reduzieren die Frust-Punkte im Haushalt, damit du weniger Nerven verlierst. und mit Selfcare und Journaling kannst du deinen Puffer stärken,
um den Druck besser auszuhalten.
Du hast erkannt, wo du stehst und das ist der größte und wichtigste Schritt.
Und es ist auch kein Zeichen von Schwäche, wenn man sich Hilfe von außen holt.
Alles Liebe